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Sex oder Gender? Ein psychobiologischer Ansatz zum Verständnis kognitiver Geschlechterdifferenzen
Kerrin Christiansen und Gitta Rüscher

Institut für Humanbiologie, Universität Hamburg, Allende Platz 2, 20146 Hamburg
kchristiansen@uni-hamburg.de

Einleitung
Geschlechterunterschiede in kognitiven Fähigkeiten sind zwar von geringem Ausmaß, aber dennoch konsistent und statistisch signifikant. Frauen wird eine relativ bessere Ausbildung der verbalen Fähigkeiten zugeschrieben, Männern hingegen eine Überlegenheit in visuell-räumlichen Aufgaben. Kulturelle Prägungen durch geschlechtsspezifische Erziehung und biologische Parameter wie z. B. Hemisphärenspezialisierung oder aktivierende Wirkungen von Sexualhormonen auf das Gehirn werden zur Erklärung geschlechterdifferenter kognitiver Fähigkeiten und auch interindividueller Leistungsunterschiede in Betracht gezogen. In der vorliegenden Studie wurde die relative Bedeutung der anerzogenen Geschlechterrolle (Gender) und des Sexualhormonspiegels (Sex) für Unterschiede zwischen und innerhalb der Geschlechter untersucht.

Material und Methoden
Die Gesamtstichprobe umfasste 121 Frauen und Männer (20 bis 30 Jahre). Visuell-räumliche und verbale Fähigkeiten und wurden mit 4 Untertests des Leistungsprüfsystems von HORN (1962) und dem Portable-Rod-and-Frame Test von OLTMANN (1972) untersucht. Die Geschlechtsrollensozialisation wurde mit 15 Fragen zu Spiel- und Lebensgewohnheiten in der Kindheit und zur Erziehungstendenz von Mutter und Vater erfasst (CHRISTIANSEN 1999). Die aktuelle Ausprägung der Geschlechtsrolle wurde mit dem BEM SEX-ROLE-INVENTORY - BSRI (BEM, 1974) abgefragt. Aus einer Speichelprobe wurde die Konzentration des freien Testosterons und Östradiols bestimmt.

Ergebnisse und Schlussfolgerung
Es zeigten sich die erwarteten Geschlechterunterschiede bei den Leistungen in den räumlich-visuellen Tests. Bei den Frauen gab es einen signifikanten Zusammenhang mit der Geschlechtsrollensozialisation in der Kindheit und der Geschlechtsrollenidentifikation im Erwachsenenalter. Bei den Männern sind die Zusammenhänge nicht konsistent. Bezüglich des Einflusses der Sexualhormone liegen die Ergebnisse derzeit noch nicht vor.

 
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   Impressum  /  7-10-2003  /  R. Bergmann  /  http://www.biologie.uni-hamburg.de/fose03/christiansen.htm suchen