Ysop

HabitusEs handelt sich um einen mehrjährigen, im unteren Bereich verholzten, buschigen Zwergstrauch. Er erreicht eine Wuchshöhe von etwa 30-70cm. Die dünnen, vierkantigen, dicht und kurz behaarten Stängel wachsen aufrecht und sind z.T. stark verästelt. Die 2-3cm langen, 3-6mm breiten, ganzrandigen, lineal-lanzettlichen, fast nadelartigen Laubblätter wachsen wechselständig, quirlartig und verschmälern sich zum Grund hin, so dass sie fast sitzend erscheinen. Die Blattränder sind etwas nach unten gebogen. Die Blätter duften stark aromatisch und sind dicht mit Öldrüsen besetzt. Die blauvioletten, manchmal auch rosaroten oder weißen Blüten stehen in Scheinquirlen dichtgedrängt in den Achseln der Blätter. Auch sie duften sehr stark.

VorkommenDer Ysop kommt wild in Süd-, Südmittel- und Osteuropa vor. An manchen Orten ist er aus der Kultur verwildert und eingebürgert, in Deutschland gilt er als eingebürgerter Neophyt. Ysop besiedelt trockene Hügel und Hänge sowie Felsheiden; dabei bevorzugt er kalkhaltigen Boden. Er wächst auf nährstoffarmen Steinböden in sonniger Lage. In den warmen Lagen der Weinanbaugebiete Europas ist er häufig verwildert anzutreffen, wo er sich selbst an Steilhängen (in Süddeutschland am Hohentwiel) gut halten kann.

HerkunftUrsprünglich heimisch ist er auf den Trockenwiesen und Felsensteppen Südosteuropas bis nach Kleinasien. Ysop wurde schon in der Antike benutzt. Er ist die "Heilige Pflanze" der Juden und wird mehrfach in der Bibel erwähnt.

AnbaugebieteÜberall wo es warm, sonnig und trocken ist. Mittelmeerraum und Südosteuropa.

Art des AnbausYsop wird seit dem Mittelalter in Europa als Zier- und Arzneipflanze kultiviert. Karl der Große forcierte den Anbau in jedem Garten, vor allem in den Klöstern. Im 9-10 Jh. durch die Benediktiner-Mönche über ganz Europa verbreitet.

VerwendungAls Gewürz werden die frischen oder getrockneten Blätter von Ysop zur Förderung der Verdauung bei schweren Speisen eingesetzt. Die frischen Blätter riechen würzig (ähnlich wie Rosmarin und Salbei) und haben einen kräftigen, leicht bitteren Geschmack. Sparsam verwendet, können sie Soßen, Salate und Fleischgerichte verträglicher machen. Auch für Kräuterlikör (Chartreuse) wird Ysop verwendet. Bereits im Altertum wurde Ysop gegen Erkrankungen der Luftwege und Lungen eingesetzt. Es werden das im Sommer gesammelte Ysopkraut oder das daraus durch Dampfdestillation gewonnene Ysopöl genutzt. Ähnlich wie Salbei kann Ysop auch bei Entzündungen der Mundschleimhaut sowie zur Reduktion übermäßigen Schwitzens genutzt werden. Auch in pflanzlichen Badezusätzen ist Ysop oftmals enthalten. Neben dem ätherischen Öl sind auch 8% Gerbstoffe, Bitterstoffe und Vitamin C (etwa 170 mg/100g frische Blätter) in größeren Mengen enthalten. Die frischen Blätter enthalten 0,07-0,3% etherisches Öl mit I-Pinocamphon (50%) und ß-Pinen (14%). Diosmin (3-6%), ein Bitterstoffglykosid, bedingt den bitteren Geschmack. Ysop wird als Arzneipflanze nicht mehr empfohlen, da es in höheren Dosen Krämpfe auslösen kann. Daher sollte Ysop vor allem von Schwangeren gemieden werden. Ysop, in Essig gekocht, war früher auch ein viel verwendetes Betäubungsmittel. Man gab es, um Schmerzen zu lindern. In abgelegenen Bergdörfern ist es heute noch manchmal üblich, bei Zahnschmerzen den Mund mit Ysopessig zu spülen.

HauptproduzentenVor allem in Frankreich, Italien, Spanien, Holland und Ungarn wird Ysop kommerziell angebaut.

Ökonomische BedeutungYsop liefert auch ein ausgezeichnetes Bienenfutter. Der Bedarf im Wellnessbereich und in der alternativen Medizin nimmt langsam zu.


Autor: Loki Schmidt Haus

Foto: Andreas Kranz