Vogelbeere

HabitusDie sommergrüne Vogelbeere erlangt ein gewöhnliches Alter von 80, in seltenen Fällen - vor allem als Gebirgsbaum - auch bis zu 120 Jahren. Es ist ein kleiner, bis zu 10m hoher Baum mit gezähnten Fiederblättern, kleinen weißen, unangenehm riechenden Blüten in Doldenrispen. Daraus entstehen im Frühherbst kugelige orangerote Früchte (kleine Apfelfrüchte) mit meist 3 Samen.

VorkommenSie ist ein schneller Besiedler von Brachflächen und kommt auf Lichtungen, in Hecken oder an Waldrändern, in Norddeutschland vorwiegend in Knicks vor. Ihr Bodenspektrum reicht von mager bis nährstoffreich, von trocken bis feucht und von sauer bis basenreich. Sie gedeiht sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern, auf Moorböden ebenso wie auf trockenen Steinhängen. Im Gebirge findet man den Baum bis an die Baumgrenze (2000m) und weit bis an den Polarkreis.

HerkunftDie Vogelbeere ist in Europa (mit Ausnahme des Mittelmeerraumes) sowie in den gemäßigten Bereichen Asiens heimisch.

AnbaugebieteDie Eberesche wird oft im Garten- und Landschaftsbau angepflanzt. Sie zeichnet sich besonders durch Frosthärte (-36°C) und Windverträglichkeit (Wildbachverbauung und Lawinenschutz) aus. Auch gegenüber Spätfrösten zeigt sie sich resistent. Ihre weitreichenden Wurzeln dringen in tiefe Bodenschichten vor.

Art des AnbausWildobstsammlungen. Die Eberesche diente schon in der Bronzezeit als Nahrungsmittel, wie Samenfunde belegen. Karl der Große förderte im 9. Jahrhundert die Anpflanzung von Ebereschen. Sie ist heute in Städten häufig an Straßen als Allee- oder Einzelbaum und in Gärten sowie Parks als Zier- und Vogelschutzgehölz zu finden. Die Eberesche gilt als Licht- bis Halbschattenbaumart.

VerwendungNach den ersten Frösten verlieren die Früchte ihren bitteren Geschmack und werden leicht süßlich. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure zu Sorbinsäure abgebaut, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können daher auch in größeren Mengen gegessen werden. Tatsächlich sind Vogelbeeren aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts (bis zu 100 mg /100 g Beeren, das allerdings beim Kochen weitgehend zerstört wird) sehr gesund und waren früher ein wichtiges Mittel gegen Skorbut. Sie enthalten außerdem Provitamin A und Sorbit, einen Zuckeraustauschstoff. Regional, zum Beispiel im Bayerischen Wald und in Böhmen, wird aus den Früchten Marmelade gekocht, die wie Preiselbeeren, als leicht säuerliche Marmelade, zu Wildgerichten gereicht wird. Vogelbeerschnaps hat vor allem in Tirol, Salzburg und in der Steiermark eine lange Tradition. Auch der tschechische Ebereschenlikör, der Jarcebinka, ist eine Spezialität aus diesen Früchten. Der magenfreundliche Sechsämtertropfen, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Fichtelgebirge gebrannt wird, weist als Grundstoff Vogelbeeren auf. Aus der Sorbose der Vogelbeeren wird ein Zuckerersatz (Sorbit) für Diabetiker gewonnen. Die Borke kann zum Braun- und Rotfärben von Wolle verwendet werden. Die Naturheilkunde schreibt Blättern und Blüten eine besondere Heilwirkung zu. Getrocknet finden diese u.a. in Tees gegen Husten, Bronchitis und Magenverstimmungen Verwendung. Auch werden sie bei Verdauungsbeschwerden, Hämorrhoiden, Rheuma und Gicht eingesetzt. Das Holz der Vogelbeere ist elastisch feinfasrig und schön gemasert. Es eignet sich daher sehr gut zu Drechsel- und Schnitzarbeiten.

HauptproduzentenObstbaulich genutzt wird die Essbare Eberesche in Bulgarien, Russland und Polen. Insgesamt ist der Anbau von Vogelbeeren in Deutschland zur Zeit (hauptsächlich in der ehemaligen DDR) noch von recht geringer Bedeutung. Erste Erträge sind im fünften Standjahr zu erwarten, sie betragen 2-3kg/Baum. Danach setzt eine stetige Steigerung der Erträge ein, bis ab dem zehnten Standjahr der Vollertrag erreicht ist. Dieser liegt dann bei maximal 20-40kg/Baum.

Ökonomische BedeutungDurch Zufall wurde zu Beginn des 19. Jh eine Mutation entdeckt, die fast bitterstofffreie Früchte hervorbringt und deshalb auch kultiviert werden kann. Die Eberesche ist eine wichtige Futterpflanze für Tiere. Nachgewiesen wurde dies bislang für 31 Säugetier- und 72 Insektenarten, darunter 41 Kleinschmetterlinge und zwölf Rüsselkäfer. Insgesamt wurden 63 Vogel- und 20 Säugetierarten als Nutzer der Früchte festgestellt. Insbesondere Singdrossel, Misteldrossel, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Kleiber und Gimpel schätzen die Früchte der Eberesche und nutzen den Baum, ebenso wie der Grünspecht als Nistgehölz.


Autor: Loki Schmidt Haus

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