Biozentrum Klein Flottbek und Botanischer Garten
Universität Hamburg - Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften - Fachbereich Biologie
Loki Schmidt im Botanischen Garten Rostock, 1994
Frauenmantel, Alchemilla gracilis
Warten auf die Fähre zum Köhlbrand, 1950er Jahre
Von Loki Schmidt entdeckte Bromelie Pitcairnia loki-schmidtiae
Sicherung von Lebensräumen: Narzissenwiese im Oleftal / Eifel
Die Namensgeberin
Loki Schmidt
Den Blick für die Natur besitzt Loki Schmidt schon früh. Bereits
als kleines Kind kennt sie sich mit den Pflanzen in ihrer Umgebung
aus. Die 15 Bände der Sturm´schen "Flora von Deutschland"
sind ihre Bilderbücher. Manches, was sie von den Abbildungen
kennt, findet sie später draußen in der Natur wieder.
Botanikerin kann Loki Schmidt aus finanziellen Gründen nicht
werden. Aber als Lehrerin gibt sie ihre Freude an der Pflanzenwelt
an ihre Schützlinge weiter. Als Professorin Dr.h.c. verfasst
sie grundlegende Beiträge zu unterschiedlichen Bereichen
der Biologie und der Pädagogik. Als Deutschlands Botschafterin
für die Natur setzt sie sich regional und international für den
Schutz der Pflanzenwelt ein.
Loki Schmidt ist Ehrenbürgerin der Freien und Hansestadt
Hamburg.
Mit offenen Augen
Loki Schmidt als Kind
"Frau Mantel" ist der erste Pflanzenname, den Loki Schmidt
lernt. Der Frauenmantel mit seinen schönen gezähnten Blatträndern
und den Wassertropfen darauf fällt ihr schon auf, als sie
noch nicht einmal richtig sprechen kann. Mit acht Jahren stellt
sie fest, dass der Löwenzahn zwischen den Pflastersteinen
vor dem Wohnhaus der Familie in Hamburg anders aussieht als
der im Hammer Park. Mit ersten Aussaatversuchen geht sie
der Sache auf den Grund.
Die Sommerferien verbringt die ganze Familie bei den
Großeltern in der Heide vor den Toren Hamburgs. Ein Lehrer
des Vaters fördert dort ihre frühe Begabung, Details zu
erkennen. In ihrer Schulzeit ergeben sich weitere Anregungen
und Impulse, die Natur zu sehen, zu begreifen und zu benennen.
Der Botanische Garten wird für Loki Schmidt zum
Zaubergarten, in dem sie bei jedem Besuch Neues entdeckt.
Die Lehrerin
Natur erleben in der Schule
Als Lehrerin ist es Loki Schmidt ein großes Anliegen, Kinder
frühzeitig an die Natur heranzuführen und dafür zu interessieren.
Sie erkundet mit ihnen die Umgebung der Schule. Jedes Kind
darf sich eine Wildpflanze ausgraben und in einen Blumentopf
pflanzen. Die Töpfe werden täglich sorgsam begossen und
beobachtet. So lernen die Kinder, ihre Pflanzen zu pflegen und
erleben, dass jede individuelle Bedürfnisse hat.
Loki Schmidt beschreitet sehr früh "Wege zur Naturerziehung".
Begreifen und Erfassen mit allen Sinnen ist ihr ein besonderes
Anliegen. Die Kinder lernen auf vielfältige Art Pflanzen kennen.
Sie beschreiben und bestimmen sie im Klassenraum und
später auf Ausflügen in und um Hamburg. Sie erhalten Einblicke
in Lebensräume vor Ort, erfahren von ihrer Bedrohung und
von den Möglichkeiten, sie zu schützen.
Die Naturforscherin
Loki Schmidt als Wissenschaftlerin
Loki Schmidt weiß, welche komplexen Auswirkungen menschliche Kultivierungsmaßnahmen auf die natürliche Vegetation haben. Diese Erkenntnisse veranlassen sie zu ihrem ersten grundsätzlichen Forschungsvorhaben. Gemeinsam mit Ihrem Mann, Helmut Schmidt, ergreift sie die Initiative zu einem frühen Projekt der wissenschaftlich begründeten experimentellen Umweltforschung. Sie beobachtet, untersucht und dokumentiert, wie sich auf einer stillgelegten Fläche am Brahmsee in Schleswig-Holstein die Pflanzenwelt ohne den Eingriff des Menschen über Jahrzehnte entwickelt.
Zahlreiche internationale Erfahrungen erwirbt sich Loki Schmidt als freie Mitarbeiterin bei Forschergruppen in aller Welt. Intensive Feld- und Laborarbeiten zur Umweltforschung führen sie von Afrika über Asien bis Süd- und Mittelamerika und sogar in die Polar-Regionen der Erde.
Die Naturschützerin
Einsatz für gefährdete Pflanzenarten
Nach dem 2. Weltkrieg beobachtet Loki Schmidt, dass viele
Pflanzen, die ihr aus der Kinder- und Jugendzeit vertraut sind,
mehr und mehr zurückgehen. Sie gründet die "Stiftung zum
Schutz gefährdeter Pflanzen", engagiert sich im Hamburger
"Naturschutzrat" für lokale Naturschutzpolitik und wirkt
auf internationaler Ebene im Stiftungsrat des WWF mit. Sie setzt
sich für Botanische Gärten ein, baut einen internationalen
Gärtneraustausch auf und initiiert eine Genbank für Wildpflanzen.
Mit der "Blume des Jahres" stellt sie seit 1980 Wildpflanzen
und ihren bedrohten Lebensraum vor.
Loki Schmidt ist eine Aufklärerin der leisen Art im persönlichen
Dauereinsatz für die Natur. Sie möchte Menschen über die
Pflanzenwelt der Heimat informieren, die Freude und das Interesse
daran wecken, Pflanzen zu schätzen und ihre Lebensräume
zu erhalten.
Bei Edition Temmen Bremen ist Band 5 der Reihe "Studien der Helmut und Loki-Schmidt Stiftung" erschienen:
"Loki Schmidt - Forscherin und Botschafterin für die Natur"
Autoren: Petra Schwarz, Reinhard Lieberei.
Bilder: O. Jerzy (Frauenmantel), Archiv Helmut Schmidt (Bot. Garten Rostock, Schule), W. Barthlott (Bromelie und Loki Schmidt mit Bromelie), W. Schumacher (Narzissenwiese)