Botanik online 1996-2004. Die Seiten werden nicht mehr bearbeitet, sie bleiben als historisches Dokument der botanischen Wissenschaft online erhalten!


Nepenthales


Nach The Angiosperm Phylogeny Group gehören die drei Familien der Nepenthales der Ordnung in Caryophyllales an.

Die Nepenthales sind insektivore Pflanzen, die zu einer Ordnung von unsicherer taxonomischer Stellung zusammengefaßt werden. Vorgestellt werden an dieser Stelle daher drei, teils gar nicht eng miteinander verwandte Familien:

Sarraceniaceae,
Nepenthaceae,
Droseraceae.

Je nachdem, welches Merkmal man betrachtet, stellt man Affinitäten zwischen zwei Familien unter Ausschluß der dritten fest. Selbst die Zuordnung zu den Dilleniidae ist fragwürdig. A. CRONQUIST (1981) würde sie, wären sie nicht insektivor, den Theales zurechnen. Ob aber die bei den Sarraceniaceae vermutete zentrifugale Anordnung der Stamina tatsächlich existiert, muß durch weitere Untersuchungen geklärt werden.

A. TAKHTAJAN (1966) stellt die Nepenthaceae hinter die Papaveraceae, somit zu den Magnoliidae, die Droseraceae stellt er zu den Rosidae. V. A. HEYWOOD (1978) betrachtet die Nepenthaceae als eine Aristolochiales-Familie, und stellt die Droseraceae ebenfalls zu den Rosidae; R. DAHLGREN erhebt die Sarraceniaceae zu einer eigenständigen Ordnung .

Eine Zusammenfassung der Familien - aufgrund der Insektivorie - zu einem Taxon ist im Grunde genommen sehr fragwürdig, weil die vorhandenen Mechanismen des Insektenfangs und der Insektenverdauung nicht miteinander homologisierbar sind. Hier die wesentlichen Kennzeichen der einzelnen Familien:

Sarraceniaceae: Die Sarraceniaceen sind in Nord- und Südamerika beheimatete Kräuter, deren Blätter in einer grundständigen Rosette angeordnet sind, deren Blattspreite zu einem Trichter verwachsen ist, in dem sich Regenwasser sammelt und in den hinein die Pflanze proteolytische Enzyme sezerniert. Die sich im Trichter fangenden Insekten werden durch glatte Innenwände und randständige Borsten am Entkommen gehindert. Die Insektennahrung dient den Pflanzen fast ausschließlich zur Deckung ihres Stickstoffbedarfs. Die Sarraceniaceen, wie übrigens auch die Droseraceae, kommen auf nahezu stickstofffreien Torfböden vor. Durch die Methode des Insektenfangs haben sie sich eine ökologische Nische erschlossen. Das gilt entsprechend auch für die in tropischen Regenwäldern lebenden Nepenthaceae, denn auch der Boden des Regenwalds ist außerordentlich nährstoffarm. (Man könnte sich nun fragen, warum nicht mehr Familien zur Insektivorie übergegangen sind.) Noch ein wichtiger Punkt: Die (großen) Blüten sind zwittrig.

Nepenthaceae: Die Nepenthaceae (Kannenpflanzen) sind in der Paläotropis zu Hause. Das Verbreitungsgebiet reicht von Madagaskar über Südostasien, Borneo, Neu-Guinea bis ins tropische Australien. Die etwa 70 Arten sind kletternde Kräuter. Die Blüten sind eingeschlechtig; männliche und weibliche Blüten sind in einem zymösen Blütenstand vereint.

Dies wäre der erste Unterschied gegenüber den Sarraceniaceae; der zweite betrifft die Form der (wechselständigen) Blätter, sofern sie als Insektenfänger ausgebildet sind; einige wenige Arten zeichnen sich nämlich durch Heterophyllie aus. Ein insektenfangendes Blatt besteht aus drei Abschnitten. Der basale Teil entspricht einer normalen Blattspreite, der mittlere ist als Blattranke ausgebildet, und der apikale ist zu einer Kanne (einem Trichter) abgewandelt.

Die meist lebhaft gefärbten Kannen besitzen einen Deckel, oft sind Nektarien vorhanden. Diese - und die Färbung - dienen offenbar der Insektenanlockung (Mimikry einer Blüte). Die Methode des Insektenfangs ähnelt der der Sarraceniaceae. Vermerkt sei aber, daß die Kannen bestimmten Insekten und anderen Kleintieren (Mückenlarven, Milben, Nematoden, Spinnen u.a) auch als Lebensraum dienen. Offensichtlich sind diese, sofern sie in der Kannenflüssigkeit leben, resistent gegenüber den Verdauungsenzymen der Pflanze.


Droseraceae: Krautige Pflanzen mit häufig rosettenförmig gestellten Blättern, die mit Drüsenhaaren oder borstenförmigen Emergentien besetzt sind. Die Blüten stehen in zymöen Infloreszenzen oder einzeln, die Zahl der Kelch und Kronenblätter beträgt vier bis fünf, die der Staubblätter 4-20. Zu den Droseraceae gehören u.a. die Gattungen Dionaea (Venusfliegenfalle) und Drosera (Sonnentau). Der Klappmechanismus der im Südosten Nordamerikas endemischen Dionaea wird an anderer Stelle besprochen.

Drosera ist mit drei Arten (Drosera rotundifolia, Drosera intermedia, Drosera anglica) in der heimischen Flora (auf Hochmooren) vertreten. Die Blätter sind auf ihren Oberseiten mit Fangtentakeln versehen, an deren Spitzen proteolytische Enzyme enthaltende Sekrettropfen ausgeschieden werden.


© Peter v. Sengbusch - Impressum